​​Tanzende Roboter, ein Herz in 3D: zwei Tage auf der CONNECT 2026​

Wenn wir die Halle betreten, tanzen rechts humanoide Roboter – ein kleiner Robo-Hund fährt umher und macht Saltos. Später gibt es eine digital-videoüberwachte Carrerabahn, KI-generierte Zeichnungen, spannende Diskussionen und Einblicke in Digitalisierung, KI und kulturelle Fragen dazwischen. 

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Physical AI

KI-Agenten und Business Value

Unternehmen und Talente von moren

Technologische Wirkung auf menschliche Realität

Buzzwords treffen Schweizer Marktrealität

Am 26. und 27. August verwandelt sich Halle 550 in Zürich-Oerlikon unter dem Motto «Unboxing Tomorrow» in eine Bühne für mehr als 80 Hersteller und rund 2'000 Besucher:innen. Die CONNECT ist dabei keine klassische Konsumentenmesse, sondern verbindet die beiden B2B-Geschäftswelten von Alltron und Brack Business. Es treffen renommierte Hersteller auf Systemhäuser, Fachhandelspartner, Geschäftskunden und Entscheider:innen. Das Portfolio reicht von Datacenter über Security und Workplace bis zu Education, Robotik und Kommunikation. 

 

 

Innerhalb der Halle tobt Technologie und Zeitgeist in Form modernster Lösungen: Die humanoiden Roboter von AgiBot sorgen für Aufsehen, Handys werden gezückt, und es entsteht eine Stimmung zwischen SciFi-Film und Zukunftsmusik. Daneben gibt es eine Carrera-Bahn, bei der die Kennzeichenerkennung über ein modernes Axis-Kamerasystem und automatisierte KI-Bilderkennung funktioniert. Bei Sony dreht sich auf einem 3D-Bildschirm ganz ohne Brille ein schlagendes menschliches Herz – per Gestensteuerung – eine eindrucksvolle Anwendung für mögliche medizinische Szenarien. Dazwischen fertigt ein Roboter Eis ab, oder man lässt sich von KI via Roboterarm zeichnen. Sitzgelegenheiten und kulinarische Angebote runden die Stimmung ab – eine ideale Begegnungsfläche. Das bestätigt sich auch im Gespräch: Wer zwischen den Ständen unterwegs ist, hört von Besucher:innen immer wieder dasselbe – gute Gespräche, direkter Herstellerkontakt und Networking seien der eigentliche Gewinn des Messebesuchs. 

 

Sessions und Keynotes erzeugen Diskussionsraum

Doch hinter der Bühne des Offensichtlichen beginnen die eigentlichen Diskussionen – in Form der Keynotes und Sessions. Physical AI gilt als absolutes Zukunftsszenario, wird verglichen mit Morpheus, der in Matrix Neo alles Wissen offeriert, das er sich wünscht. Wir müssen allerdings ergänzen, dass Neo in Matrix eigentlich eine Revolution gegen die Maschinen anstrebt. 

Trotzdem bleibt die Frage nach dem tatsächlichen Potenzial real – und am Stand klingt die Antwort deutlich nüchterner als auf der Bühne. Physical AI stecke noch in einer frühen Entwicklungsphase, sagt der AgiBot-Mitarbeiter, viele der spektakulären Anwendungen seien aktuell schlicht Demos. Gleichzeitig gebe es bereits konkrete industrielle Einsätze, etwa im Materialhandling oder wenn ein Roboter automatisiert Tablets in eine Testanlage einlegt und wieder entnimmt. Für eine neue Aufgabe brauche es ein bis zwei Wochen Training – danach lasse sich das Gelernte deutlich schneller auf den nächsten Roboter übertragen. Aus «Roboter können Kung-Fu» wird damit eine interessantere Geschichte: Erfahrung wird kopierbar. 

Konfigurieren lassen sich die Roboter über zwei Cloud-Lösungen des Herstellers. Eine davon heisst «LinkSoul» und erlaubt es, so etwas wie eine Persönlichkeit der Maschine zu definieren: Werte, Stimme, Wissen – ganz nach Wunsch des Betreibers. Faszinierend – und ein Thema, dem wir in einem eigenen Artikel hinsichtlich Zukunftstrends mehr Raum geben. 

Von KI-Agenten, Business Value und Netzwerken unter Feuer

Auch Dr. Toni Luhtis Vortrag von Pax8 dreht sich um KI-Hypes und deren Implementierung. Sein Punkt: KI sollte nicht isoliert eingeführt werden, sondern horizontal in die Geschäftsstrategie eingebettet sein – mit konkreten Use Cases, KPIs und Business Leadern, die den Weg mittragen. Mit «Start with the business problem – the technology follows», bringt er es auf den Punkt. Für Leser:innen vielleicht der praktischste Satz der ganzen CONNECT: Nicht fragen, welche KI man einsetzen soll, sondern welchen Prozess man verbessern will – und woran sich der Erfolg erkennen lässt. Managed Service Providers sollen sich laut Luhti zu Managed Intelligence Providern weiterentwickeln, die KI-Agenten gezielt auswählen, implementieren, absichern und über ihren Lebenszyklus betreuen. Gerade für KMU, die kaum jedes Modell, jede Schnittstelle und deren Auswirkungen auf Security und Governance selbst stemmen können, eine reale Chance – und, wenn geschäftskritische Prozesse dauerhaft beim externen Partner liegen, zugleich eine Frage, die man sich stellen sollte. 

 

 

HPEs Country Chief Technologist Roger Mafli betont in seiner Session, dass Netzwerke zum Bottleneck für KI-Workloads werden können. Gleichzeitig werden Netzwerke selbst KI-gestützter: Sie erkennen und diagnostizieren Probleme zunehmend automatisiert. Entscheiden muss am Ende trotzdem der Mensch. 

Die Unternehmen und Talente von Morgen

In der Panel-Diskussion von «Swiss Ladies Drive» diskutierten Andrea Luder, CEO emediately ag, Christian Czupalla, Founder von WIN-WIN FOR WORK, und Fitore Aliu-Keller, Chief People & Culture Officer von Brack.Alltron. Spannend war: Bevor die Suche nach den «Talenten von morgen» beginnen kann, muss ein Unternehmen erst wissen, wie die «Organisation der Zukunft» überhaupt aussieht. Viele Organisationen kennen die Potenziale und Fähigkeiten ihrer Bestandsbelegschaft kaum. 

 

 

Aliu-Keller spitzt die Frage nach der Relevanz von Fachwissen zu: «Potenzial wird wichtiger – aber solides Fachwissen bleibt nötig, um die richtigen Fragen zu stellen, Outputs zu interpretieren und einzugreifen, wenn die Automation falschliegt.» Sie nutzt die Analogie vom Piloten: Das Flugzeug fliegt längst automatisiert, trotzdem braucht es den gezielten menschlichen Input, um abzuheben, zu navigieren und zu landen. Auch Czupallas Perspektive bereichert die Diskussion: Es geht nicht nur um erreichbare Zahlen, sondern um den Weg dorthin. Aliu-Keller resümiert: «Leistung entsteht nicht durch Kontrolle, sondern durch Vertrauen, Orientierung und Konsequenz.» 

Technologische Wirkung auf menschliche Realität

Und wenn die Leistungsfrage kommt, führt der Kreis zurück zu den Robotern: Sie können vielerlei Tätigkeiten übernehmen – von humanoiden Arbeitern im 24/7-Schichtbetrieb bis zu patrouillierenden «Wachhunden» oder Putzrobotern. Sie lernen Fähigkeiten über Zeit, die sich anschliessend zwischen Maschinen desselben Herstellers übertragen lassen. Das schafft Effizienz – und wirft die Frage auf, wo dieses gelernte Wissen künftig eigentlich liegt. 

 

 

Doch es gibt auch die andere Seite: «No Isolation» aus Norwegen ermöglicht es mit dem Telepräsenzroboter AV1 Kindern und Jugendlichen mit schweren, langwierigen Erkrankungen, trotzdem digital am Unterricht teilzunehmen. Hier ersetzt die Maschine keinen Menschen. Sie ersetzt Distanz. 

Buzzwords treffen Schweizer Marktrealität

Chefökonom der Raiffeisenbank Fredy Hasenmaile ordnet die technologischen Buzzwords und Trends wirtschaftlich ein: Mit dem Vortrag «Stabile Labilität» zeigt er auf, wie robust sich die Schweizer Wirtschaft gegenüber globalen Krisen zeigt. Der starke Franken erzeuge permanenten Kostendruck, der Schweizer Unternehmen immer wieder zur Rationalisierung, moderneren Prozessen und höherer Produktivität bewege – Hasenmaile nennt es das «permanente Fitnessprogramm» der Schweizer Wirtschaft. Gleichzeitig könnten viele Unternehmen moderne Technologien und Digitalisierung noch gar nicht nutzen, weil sie organisatorisch und technologisch nicht anschlussfähig seien. Genau hier liege die Chance: die stabilen Ruhephasen zu nutzen, um sich den Zukunftsthemen und Marktlücken zu widmen. 

 

Zurück in die Halle

Am Ende des zweiten Messetags stehen wir wieder dort, wo alles begonnen hat: Der Robo-Hund macht noch immer Saltos, bei Sony dreht sich das Herz in der Luft, irgendwo wird gerade wieder Eis serviert. Was sich zwischen diesen Stationen und den Sessions gezeigt hat, lässt sich nicht auf eine einzige Zukunft herunterbrechen: Manche Technologien sind noch Show, andere verändern schon heute Produktionsabläufe. Manche übernehmen Aufgaben, andere – wie AV1 – überbrücken vor allem Distanz. 

Vielleicht ist genau das die Stärke der CONNECT: Sie zeigt Zukunft nicht als fertige Antwort, sondern als offenes Feld unterschiedlichster Entwicklungsstufen, von der Demo bis zum produktiven Einsatz. Welche Fragen daraus entstehen, wenn Wissen zunehmend in Maschinen statt in Köpfen liegt – dem widmen wir einen eigenen Artikel. 

 

Quelle Titelbild und alle Bilder im Beitrag: Brack.Alltron 

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